Die HafenCity

Christoph Strupp (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg)

Im Mai 1997 stellte Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) in einer Rede vor dem Überseeclub spektakuläre Pläne des Senats für die Umnutzung alter Hafenflächen am Nordufer der Elbe vor. Zwischen der Speicherstadt und dem Fluss sollte ein neuer Stadtteil entstehen: die HafenCity. Auf mehr als 100 Hektar Landfläche sollte die Innenstadt mit rund 5.500 Wohnungen für 12.000 bis 15.000 Menschen und bis zu 45.000 Arbeitsplätzen zum Wasser hin erweitert werden. Grund und Boden befanden sich im Hafen ohnehin im Besitz der Stadt und bereits seit sechs Jahren hatte man, ohne dass Parlament und Öffentlichkeit davon erfuhren, in dem Gebiet Wirtschaftsgebäude aufgekauft. Spätere Planungen sahen Gesamtinvestitionen von ca. 10 Milliarden Euro vor, davon ca. 3 Milliarden öffentliche Mittel.

Masterplan HafenCity

Förmlich beschlossen wurde der Bau der HafenCity in der Bürgerschaft im August 1997. Der „Masterplan HafenCity“ aus dem Jahr 2000 gab dann den städtebaulichen Rahmen vor die Planungen vor. Das gesamte Gebiet wurde in zehn Quartiere gegliedert, die seit Mitte der 2000er Jahre von Westen her abschnittsweise mit unterschiedlichen Schwerpunkten errichtet werden und im Osten an den Elbbrücken enden. Über einen Teil der Einnahmen aus der Bebauung wurde im Hafenerweiterungsgebiet in Altenwerder im Südwesten der Stadt der Bau eines hochmodernen Containerterminals (CTA) finanziert. Damit sollten – entsprechend dem neuen Hafenentwicklungsplan der Wirtschaftsbehörde von 1997 – Hafen und Logistik gestärkt werden. Das CTA wurde 2005 eröffnet.

Politik, Medien und Öffentlichkeit standen dem Konzept, das im Jahr 2000 in einem vom Senat verabschiedeten Masterplan konkretisiert wurde, weitgehend positiv gegenüber. Eine Art Gegenentwurf des CDU-Oppositionsführers Ole von Beust, der u.a. die Verlegung des Flughafens aus der Stadt, die Verlegung der Messe nach Fuhlsbüttel und den Bau eines Tunnels für die Willy Brandt-/Ludwig Erhard-Straße vorsah, um neue Flächen für die Stadtentwicklung zu gewinnen, blieb ohne Resonanz. Allerdings rief die Verbindung von HafenCity und CTA rasch Bedenken hervor, denn sie legte nahe, dass in der HafenCity vor allem hochpreisige Wohnungen und Bürogebäude in großer Dichte entstehen würden, um für das CTA möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Gestritten wurde auch um die architektonische Ausgestaltung des neuen Stadtteils und um seine Verkehrsanbindung. Eine U-Bahn, die heutige U 4, wurde erst 2003 beschlossen, als auch die ersten Hochbauten entstanden. Eröffnet wurde das erste Teilstück Ende 2012.

Die Elbphilharmonie und das „Internationale Maritime Museum“

Das heutige Wahrzeichen der HafenCity, die Elbphilharmonie auf dem alten Kaispeicher A aus dem Jahr 1963, wurde seit 2001 diskutiert. Die Bürgerschaft beschloss den Bau im Februar 2007 einstimmig. Fertiggestellt wurde er nach vielen Schwierigkeiten erst Ende 2016. Bereits seit dem Jahr 2000 und dann verstärkt nach dem Regierungswechsel 2001 betrieb der Senat mit Finanzmitteln der Stadt zudem die Gründung eines weiteren kulturellen „Leuchtturmprojekts“ in der HafenCity: das heutige „Internationale Maritime Museum“ in dem über 120 Jahre alten Kaispeicher B. Es wurde 2008 eröffnet und ging auf die Privatsammlung von Schiffsmodellen und Marine-Devotionalien Peter Tamms zurück, des ehemaligen Vorstandschefs des Axel Springer Verlags. Sie wurde von Teilen der Öffentlichkeit als militaristisch und kriegsverherrlichend kritisiert. Weitere kulturelle Anziehungspunkte mit maritimen Bezügen sind das 1995 eröffnete Speicherstadtmuseum und der 2008 eröffnete Traditionsschiffhafen am Sandtorkai.

Ausgewählte Literatur:

Gert Kähler, Geheimprojekt HafenCity oder Wie erfindet man einen neuen Stadtteil? München / Hamburg: Dölling und Galitz, 2016.

Bilder:

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