Gab es Störtebeker wirklich?

1350 - 1570

Copryright Jens Natter

Jilou Keyli Pasquinelli Esco

Klaus Störtebeker – ein Unbekannter wird zur Legende

Aus Hamburg gibt es viele Geschichten über Klaus Störtebeker. Doch man weiß nicht einmal, wie er aussah.

Das ist nicht Störtebeker! Dieses Bild wird häufig für Störtebeker verwendet. Doch das ist Kunz von der Rosen, der 100 Jahre nach Störtebeker lebte.

Im Museum für Hamburgische Geschichte gibt es einen Schädel, der vermutlich von einem Piratenanführer stammte. Aber es ist nicht nachzuweisen, dass es der Schädel von Störtebeker ist.

Klaus Störtebeker ist über Hamburg hinaus berühmt. Es gibt Festspiele auf Rügen, Theaterstücke und sogar ein Denkmal in der neuen Hafencity. Was weiß man aber wirklich über ihn?

Freibeuter – Seeräuber mit Erlaubnis

Königin Margarete I. von Dänemark, Norwegen (und Schweden).

Im Jahr 1375 wollte Margarete, die Königin von Dänemark und Norwegen auch noch Schweden regieren. Doch Herzog Albrecht von Mecklenburg wollte ebenfalls über Schweden herrschen. Margarete hatte mehr Ritter als Albrecht. Deshalb suchte Albrecht Hilfe auf dem Meer. Er erlaubte Seeleuten, dänische Schiffe zu überfallen und den Handel zu stören. Diese Männer nannte man Freibeuter. Das bedeutet: Sie waren Seeräuber mit Erlaubnis. Sie waren „frei“, Beute zu machen. Im Krieg brachten sie einmal der belagerten Stadt Stockholm Lebensmittel. Lebensmittel nannte man damals „Victualien“. Deshalb nannten sich diese Seeräuber  „Vitalienbrüder“.

Nachdem der Streit zwischen Margarete und Albrecht vorbei war, hörten die Vitalienbrüder mit den Raubzügen nicht auf. Sie überfielen weiter Schiffe. Ihr Seeräubernest war auf der großen Insel Gotland. Die Seeräuber raubten Schiffe der Hansekaufleute, deshalb vertrieben die Hansestädte die Vitalienbrüder von Gotland. Ihr Anführer Goedeke Michels floh mit vielen Schiffen in die Nordsee.

Handelschiff: Kogge aus Bremen um 1380.

In Friesland an der Nordsee fanden die Vitalienbrüder neue Verstecke. Die friesischen Häuptlinge brauchten sie als Krieger. Aber die Vitalienbrüder beraubten wieder Schiffe der Hanse.

Das ging so: Sie segelten nah an ein Handelsschiff heran und zogen es mit Enterhaken zu sich herüber. Dann sprangen sie schwer bewaffnet an Bord.  Wer sich wehrte, wurde umgebracht oder ins Meer geworfen.  Sie stahlen die Ladung. Manchmal alles, manchmal nur das wertvollste. Manchmal machten sie das Schiff kaputt. Den Seeleuten machten sie den Vorschlag, zu ihnen zu kommen und Seeräuber zu werden. Wer das nicht wollte, musste sehen, wie er an Land kam. Wer die Wut der Seeräuber erregte, wurde ins Wasser geworfen. Viele Seeleute aus der Zeit konnten aber nicht schwimmen.

Die Beute wurde so aufgeteilt: Zuerst suchten sich die Kapitäne einen Anteil aus. Was übrig blieb, wurde unter der Mannschaft gleich verteilt. Also waren die Vitalienbrüder nicht wirklich „Gleichteiler“ oder „Likedeeler“, wie man sie auch im Plattdeutschen nannte. Die Kapitäne bekamen mehr als andere von der Beute.

Die Hanse schlägt zurück

Der Handel von Hamburg und Bremen war durch die Seeräuber in Gefahr. Sie forderten die friesischen Häuptlinge auf, die Vitalienbrüder auszuliefern. Doch die Häuptlinge weigerten sich. Darum taten sich Hamburg, Bremen und Lübeck zusammen. Sie schickten Kriegsschiffe los, um die Vitalienbrüder zu besiegen. Sie fuhren nach Friesland, fingen Seeräuber und zerstörten deren Festungen. Der höchste Hauptmann Goedeke Michels floh mit seiner Seeräuberflotte nach Norwegen.

Dieses Bild entstand vierhunderfünfzig Jahre nach Störtebekers Tod. Es soll zeigen, wie er als Gefangener nach Hamburg gebracht wird. Du kannst sehen, dass der Maler das Gesicht von Kunz von der Rosen verwendet hat.

Ein Kapitän namens Störtebeker soll bei Helgoland weiter Schiffe überfallen haben. Die Hamburger sandten Kriegsschiffe dort hin. Sie besiegten die Seeräuber und verurteilten viele von ihnen zum Tode – auch Störtebeker?

Ein Jahr später fingen die Hamburger auch Goedeke Michels. Auch er wurde in Hamburg hingerichtet.

Dann hatten die Hamburger die Seeräuberei erst einmal unter Kontrolle.

Was wissen wir wirklich? Gab es Klaus Störtebeker vielleicht gar nicht?

Es gibt Geschichtsforscher, die sagen, Klaus Störtebeker hat es nie gegeben, denn Klaus Störtebeker kommt in wichtigen Schriftstücken aus der Zeit um 1400 nicht vor.

Aber 1380 wurde ein Nicolaus Störtebeker wegen einer Prügelei aus der Stadt Wismar ausgewiesen. Vielleicht war dieser Nicolaus der berühmte Klaus Störtebeker. Vielleicht auch nicht. Es gab aber einen Johan Störtebeker aus Danzig. Der war Kaufmann und auch mal Freibeuter. Er lebte aber noch 1414 und galt als ehrlicher reicher Kaufmann.

Was wir wissen: Die Schlacht vor Helgoland gab es wirklich. Und viele Seeräuber wurden in Hamburg hingerichtet. Ob Klaus Störtebeker wirklich dabei war, ist aber nicht sicher.

Sicher ist nur: In den Geschichten wurde Störtebeker später zu einem wichtigen Anführer der Seeräuber gemacht. Wurden später Geschichten über verschiedene Männer zu einer großen Legende zusammengefügt?

Warum wurde Störtebeker so berühmt?

Goedeke Michels war vor mehr als 600 Jahren bekannter als Klaus Störtebeker. Trotzdem erzählt man heute mehr über Störtebeker. Vielleicht liegt das an seinem besonderen Namen. „Störtebeker“ bedeutet ungefähr „Stürz den Becher“. Es wird gesagt, dass er einen großen Becher Bier auf einmal austrinken konnte.

Es könnte aber auch sein, dass die Hamburger ihn berühmt machten. Schließlich war er der erste Seeräuberkapitän, den sie gefangen nahmen.

Mit der Zeit wurde Störtebeker in Geschichten immer stärker und mutiger dargestellt. Viele Menschen mochten die Vorstellung, dass ein Seeräuber sich gegen mächtige Herrscher stellte. Der Mythos Störtebeker bedeutet vielen Menschen: Man muss sich nicht alles von Mächtigen gefallen lassen. In den Geschichten ist Störtebeker frei, mutig und stark. Darum wurde aus ihm eine Legende.

Zum Nachdenken

Heute steht beim Grasbrook in Hamburg ein Denkmal von Störtebeker. Dort soll er hingerichtet worden sein.  Aber:  Verdient Störtebeker ein Denkmal?

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