Hamburg im späten Mittelalter

1350 - 1570

 

Die Zeit nach der Pest

Die Zeit nach der fürchterlichen Pestkrankheit um 1350 nennt man spätes Mittelalter. Durch die Pest starben in Europa ein Drittel aller Menschen. Das war auch in Hamaburg so. Weil so viele Leute gestorben waren, waren viele Arbeitsplätze in den Städten frei. Die Menschen kamen vom Land in die Stadt.

In Hamburg wurde zu jener Zeit viel Bier gebraut. Bier trank jeder in Nordeuropa. Sogar Kinder! Bier war gesünder als das Wasser, das damals nicht sauber war. Weil das Hamburger Bier in ganz Europa berühmt war, wurde die Stadt wohlhabend. Es gab viel Arbeit.

Damit die Handelschiffe ohne Gefahr auf dem Meer fahren konnten, kämpften die Hamburger gegen Seeräuber, wie zum Beispiel Klaus Störtebeker.

 

Die Handwerker machen Aufstände

In Hamburg regierte um diese Zeit der Stadtrat. Das waren reiche Kaufleute. Die Ratsherren wurden nicht gewählt, sondern sie suchten selbst aus, wer Ratsherr werden sollte.

1375 wehrten sich die Handwerker in der Stadt dagegen und machten einen Aufstand. Aber ohne Erfolg.

1410 gab es noch einen Aufstand. Nun waren mehr Leute dabei und hatten Erfolg. Sie durften eine Versammlung wählen, die den Rat kontrollierte. 73 Jahre später machten die kleineren Kaufleute und die Handwerker noch einen Aufstand und erreichten, dass es ein Gesetz gab, das die Regierung regelte. Das war einmalig.

 

Der Streit um die Schule

Die Hamburger hatten im Spätmittelalter eine wichtige Sorge: Die Schule ware nicht gut. Es gab schon seit ungefähr 450 Jahren eine Schule für Jungen. Sie lag genau bei der Bischofskirche, dem Dom. Sie wurde durch die Priester kontrolliert. Die Bürger fanden, dass die Jungen dort zu viel Gotteskunde und zu wenig Praktisches lernten. Also gründeten sie ihre eigene Schule bei der Nikolaikirche. Aber auch hier übernahmen die Geistlichen die Kontrolle. Der Ärger ging für die Bürgern weiter. Die Mädchen konnten im Kloster in Harvestehude oder bei frommen Frauen gut lernen. Doch das reichte den Bürgern nicht. Immer wieder beschwerten sie sich bei den Geistlichen. Ohne Erfolg.

Als 1517 der Mönch Martin Luther in Sachsen eine Kirchenreformation auslöste, hatten die Bürger in Hamburg ein offenes Ohr. 1523 kam ein junger Mönch nach Hamburg und predigte die neuen Regeln:
Die Schule sollte vom Stadtrat kontrolliert werden.

 

Jeder sollte die Bibel lesen dürfen.

Es soll keine Heiligen mehr geben und keine Klöster. Alle Menschen sollten heiraten dürfen, auch Geistliche. Und alle sollten versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und in ihren Familien helfen.

Die Priester sollten von Spenden leben. Die Spenden für die Armen sollten in der Gemeinde fair verteilt werden.

Und jeder sollte vor Gott für guten und schlechten Taten selbst Verantwortung übernehmen.

Schon 1529 war die Mehrheit der Hamburger überzeugt. Sie wurden Lutherisch. Aber nicht nur die Art des christlichen Glaubens änderte sich, sondern auch die Art, wie in der Stadt Entscheidungen getroffen wurden.