Der Streit um den richtigen Glauben

Jilou Keyli Pasquinelli Esco

Das Seelenheil oder wie Gott einen mögen kann

Für die Menschen vor 500 Jahren war es sehr wichtig, dass ihre Seele rein ist. Es war ihnen wichtig, dass Gott sie mag und ihre Fehler verzeiht. Dabei sollten ihnen die Kirche und die Geistlichen helfen. Die Kirche nannte sich die katholische Kirche. Das bedeutet Kirche für alles  und alle.

Auf einem mittelalterlichen Bild segnet ein Priester einen Mann und eine Frau und ihre Freunde

In Hamburg lebten 1500 ungefähr 350 Geistliche. Alle wurden vom Mariendom bestimmt, der zum Erzbistum Hamburg-Bremen gehörte. Der Dompropst war der Chef und bestimmte alles. Der Domdekan entschied, was im Mariendom passierte, und der Domscholastikus entschied alles, was mit der Schule zu tun hatte.

Es gab zwei Klöster: das St.-Johannis-Kloster und das Marien-Magdalena-Kloster. Die Mönche vom Marien-Magdalenen-Kloster kümmerte sich um die Armen. In der Steinstraße lebten Beginen; das waren fromme Frauen. Sie stellten Medizin her und unterrichteten Mädchen. Zudem gabe es an der Alster ein Kloster, in dem Hamburgerinnen als Nonnen lebten. Sie unterrichteten Mädchen und beteten für die Menschen. Das Kloster lag in Harvestehude.

Im 16. Jahrhundert war es den Menschen wichtig, für die Klöster und Altäre zu spenden, weil sie wollten, dass Gott sie mag. Aber es gefiel ihnen nicht, wie sich die Kirchenmänner verhielten. Sie lebten nicht so,  wie sie es sollten. Eigentlich durften Geistliche nicht heiraten, weil sie sich nur um Gott und Menschen aus ihrer Kirche kümmern sollten. Doch viele hatten Geliebte und sogar Kinder. Sie nahmen Geld aus den Spenden. Der Domscholastikus Banskow war ein besonders schlimmes Beispiel.

Luthers Thesen und die Hamburger

Martin Luther (1483-1546), huile sur toile de Lucas Cranach l’Ancien, 1528.

Martin Luther schrieb Thesen (Sätze), in denen stand, was der Papst beziehungsweise die Kirche falsch machte. Vor allem war Luther gegen die Ablassbriefe. Ablassbriefe waren Papiere, die sich die Menschen für viel Geld kaufen konnten. Auf den Briefen stand, dass sie schneller in den Himmel kommen konnten. So konnte man sich freikaufen, wenn man etwas Schlimmes getan hatte. Luther sagte, jeder sollte vor Gott für seine guten und schlechten Taten selbst Verantwortung übernehmen.

Solche Ablassbriefe wurden auch in Hamburg verkauft. Daran verdiente auch der Domscholastikus Banskow viel Geld. Aber die Schulen vernachlässigte er.

Luther sagte, dass man nicht dafür bezahlen muss, um von Gott gemocht zu werden. Zuerst dachte man nicht, dass sich etwas durch Martin Luthers Thesen ändert, aber das Volk wollte Veränderungen.

Luther ging noch weiter

Alle Menschen sollten heiraten dürfen, auch Geistliche. Und alle sollten versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und in ihren Familien helfen. Deshalb sollten die Klöster sollten aufgelöst werden. Pfarrer und ihre Familien sollten von Spenden leben. Die Spenden für die Armen sollten in der Gemeinde fair verteilt werden.

Die ersten Predigten nach Luther

Stefan Kempe als Pfarrer

Es gab ein Problem. Luthers Thesen waren in einem sächsischen Hochdeutsch geschrieben und in Hamburg sprach man Niederdeutsch. Es wurden Menschen gebraucht, die übersetzen können. Im Magdalenen-Kloster lebte Stefan Kempe als Mönch. Er übersetzte die Thesen und war überzeugt. Er begann, sie den Menschen in der Kirche zu erläutern. Das war gefährlich, weil Luthers Thesen noch verboten waren.

Ein Drucker druckte Stefan Kempes Übersetzung. Viele Menschen lasen sie. Nun ging es Schritt für Schritt voran. Die Menschen wollten mitbestimmen, wer Pfarrer und Lehrer wird. Die Leute von St. Katharinen entließen ihren Pfarrer und wählten Stefan Kempe. Der verließ sein Mönchskloster.

1527 sammelten die Menschen in der Nicolaikirche Geld für die Armen. Sie taten es in einen Kasten, den Gotteskasten. Wer daraus Geld bekam, durfte nicht mehr betteln.

1527 – Es wird fast gefährlich!

Der Rat wollte aber nicht, dass es Kämpfe zwischen den Kirchspielen und den Geistlichen im Dom gab. Aber es gab Geschichten, die rumerzählt wurden (Gerüchte). Es wurde erzählt, dass die Katholiken 400–500 Bürger töten wollen und nachts Kämpfer in die Stadt geholt wurden, um diese zu ermorden. Man sagte auch, dass überall in der Stadt hierfür Waffen versteckt waren. Vermutlich war das falsch, aber der Rat veranstaltete ein Streitgespräch zwischen Katholiken und Luthers Anhängern. Stefan Kempe trat gegen einen Domherren an.

Der Rat entschied dann, dass Luthers Thesen besser waren. Es wurde beschlossen, dass die Katholiken sich Luther anschließen sollten. Die Katholiken, die sich Luthers Glaubensrichtung nicht anschließen wollten, haben Hamburg verlassen.

Johannes Bugenhagen

Der Rat lud dann Johannes Bugenhagen ein. Er war ein Freund von Luther, der Niederdeutsch sprach. Er sollte in Hamburg wieder alles in Ordnung bringen mit den Kirchen. Er regelte die Armenversorgung, Gottesdienst, die Kirchenfeiern und die Schule. Es gab dann auch vier Mädchenschulen. 1529 wurde Hamburg eine lutherische Stadt. Wer in Hamburg Bürger sein wollte, der musste nun lutherisch sein.

Die Nonnen aus dem Kloster in Harvestehude weigerten sich, lutherisch zu sein und ihr Kloster zu verlassen. Das Kloster wurde abgerissen und die Frauen kehrten in die Stadt zurück. Eine von ihnen, Anna, heiratete Stefan Kempe.