Aufarbeitung des Kolonialismus in Hamburg

Kim Sebastian Todzi

Teil des sogenannten Askari-Reliefs. Afrikanische Söldner mit deutschem Offizier. Geschaffen 1937, bis 2004 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne, heute im für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen „Tansania-Park“

Es gibt zahlreiche Orte in Hamburg, die noch heute an die koloniale Vergangenheit der Hansestadt erinnern. Neben zahlreichen Straßennamen, die Kaufleute, Militärs oder „Entdecker*innen“ ehren, gibt es viele Gebäude, wie das Museum für Völkerkunde, das Hauptgebäude der Universität – früher Sitz des Hamburger Kolonialinstituts – oder das „Afrika-Haus“ in der Innenstadt, deren Entstehung eng mit dem Kolonialismus verbunden sind. Darüber hinaus stehen bis heute Denkmäler, wie die sogenannten „Askari-Reliefs“ in Hamburg-Jenfeld, die Gegenstand einer seit Anfang der 2000er Jahren laufenden, regen Debatte sind.

Zivilgesellschaftliche Initiativen wie der Arbeitskreis „Hamburg Postkolonial“, Forscher*innen und Politiker*innen versuchen bereits seit mehreren Jahren dieses koloniale Erbe in das erinnerungskulturelle Bewusstsein der Gesellschaft zu rufen, fordern ein Bekenntnis zur Verantwortung der Stadt dafür und eine Neuausrichtung der Erinnerungskultur in diesem Sinne. Als Meilenstein bei der Beschäftigung mit den lokalen Bedeutungen des Kolonialismus gilt der 1999 veröffentlichte Sammelband „Branntwein, Bibeln und Bananen“ des Historikers Heiko Möhle, der in Form einer „Spurensuche“ zahlreiche Verflechtungen Hamburgs mit dem Kolonialismus zusammengetragen hatte.

Buchcover des ersten Werks über Hamburgs koloniale Vergangenheit

Es folgten Ausstellungs- und Kunstprojekte, wie afrika-hamburg.de (2004-2005) und „freedom roads!“ (2013), und schließlich politische Debatten in Bezirksversammlungen und der Hamburger Bürgerschaft über den Umgang mit kolonialen Straßennamen und Denkmälern.

Diese Auseinandersetzungen führten 2014 zu dem Entschluss des Hamburger Senats, die Aufarbeitung des Kolonialismus in Hamburg und damit einen neuen Start der postkolonialen Erinnerungskultur zu beginnen. Zu diesem Zweck wurde die Anschubfinanzierung für eine Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung“  an der Universität Hamburg bewilligt, welche eine wissenschaftliche Basis dafür schaffen soll. Seit 2015 untersucht dort ein Team von Wissenschaftler*innen unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer  die Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien.

 

Bildnachweise:

Abb. Titelfeld  und im Text: Askari-Denkmal, Bild von HanniMari Jokinen, afrika-hamburg.de

Bild Buchcover:  Foto Silke Urbanski