Das demokratische Intermezzo: Not und Aufbruchsstimmung

1918 - 1933

Ursula Büttner

Hunger und Elend am Ende des Ersten Weltkriegs

Der Erste Weltkrieg führte in Hamburg wie überall in Deutschland zu tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen. Die Stadt, deren Wirtschaft durch den Hafen ihr Gepräge erhielt und deren Erwerbstätige zu mehr als Dreivierteln für den internationalen Güteraustausch arbeiteten, wurde durch die Seeblockade schwer getroffen. Reedereien, Banken und Außenhandelsfirmen, aber auch für den großstädtischen Konsum produzierende Betriebe mussten gravierende Einbußen hinnehmen. Nur die Rüstungsbetriebe, an erster Stelle die Werften, expandierten. Die Arbeitslosigkeit, die bei Kriegsausbruch entstand, wurde dadurch und durch die zunehmende Einberufung zum Militär rasch überwunden. In vielen Firmen mussten Frauen und Jugendliche die Arbeitsplätze der eingezogenen Männer einnehmen. Bei Kriegsende war die Zahl der Beschäftigten in der Hamburger Industrie von 109 203 auf 91 711 zurückgegangen, der Frauenanteil aber von 20% auf 33% gewachsen.

Die patriotische Hochstimmung, die bei Kriegsbeginn bei Teilen des Bürgertums herrschte, wurde in den Arbeitervierteln, aber auch in vielen Kaufmannskontoren nicht geteilt. Der vom Kaiser proklamierte und von allen gesellschaftlichen Gruppen zunächst begrüßte »Burgfrieden« erwies sich rasch als Illusion. Er verhinderte die öffentliche Diskussion über soziale Konflikte und unterschiedliche Kriegsziele und machte es der Arbeiterschaft sehr schwer, berechtigten Forderungen durch Streiks Nachdruck zu verleihen; die Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze konnte er jedoch nicht aufhalten. Obwohl der Hamburger Senat schon früh, im Februar 1915, mit der zentralen Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln begann, kam es zu einer immer bedrohlicheren Unterernährung der breiten Bevölkerung. Wegen der »Teuerung«, der Geldentwertung infolge der Finanzierung des Kriegs durch hemmungslose Kreditausweitung, reichten die Löhne und Gehälter sowie die geringen Unterstützungen der Soldatenfamilien nicht mehr zur Bestreitung des notwendigen Lebensunterhalts. Selbst die am besten bezahlten Arbeiter in den Rüstungsbetrieben mussten viele Überstunden leisten, um ihre Familien zu ernähren. Der Senat und private Organisationen bemühten sich, durch Massenspeisungen, die Einrichtung von Wärmehallen und andere Hilfsaktionen der schlimmsten Not abzuhelfen. Vor allem die Gewerkschaften und die SPD stellten ihren weitverzweigten Apparat in den Dienst dieser Aufgabe und wuchsen dadurch, wie bürgerliche Politiker anerkannten, »mehr und mehr in den Staat hinein«.

Aus der Not erwachsen politische Forderungen

In fortschrittlichen Kreisen setzte sich allmählich die Meinung durch, dass der Arbeiterschaft, die an der Front und in der Heimat die Hauptlast des Krieges trug, ein entsprechender Anteil an der politischen Macht, vor allem das allgemeine Wahlrecht, nicht länger zu verweigern war. Andere suchten gerade diese Konsequenz zu vermeiden, indem sie durch die Propagierung weitreichender imperialistischer Kriegsziele die »Massen« unter ihrer Führung zu mobilisieren und von innenpolitischen Forderungen abzulenken trachteten. Dadurch trugen sie wesentlich zur Verschärfung der sozialen und politischen Gegensätze bei. Obwohl die Verantwortung für die innere Sicherheit bei Kriegsbeginn vom Senat auf die Militärbehörden übergegangen war und oppositionellen Arbeitern die Einberufung zum Heeresdienst drohte, kam es im August 1916 zu ersten Hungerunruhen. 1917 erhielt der Protest eine politische Komponente, und im Januar 1918 traten 25 000 Hamburger Werft- und Metallarbeiter in den Streik, um nicht nur eine Verbesserung ihrer Alltagssituation, sondern die Beendigung des Krieges und die Einführung der Demokratie zu erreichen. Nur dem Einsatz der Gewerkschafts- und der SPD-Führung war es zu danken, dass sie nach fünf Tagen an die Arbeit zurückkehrten.

 

Die Revolution von 1918

Gleichzeitig gewannen aber die linken Oppositionsgruppen, die Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) und die »Linksradikalen« (später KPD), die sich 1917 von der SPD getrennt hatten, an Einfluss. Halbherzige politische Zugeständnisse genügten in dieser Situation nicht mehr, um den Zusammenbruch des bestehenden Staates zu verhindern. Am 6. November 1918 erreichte die Revolution Hamburg.

Ausgelöst durch eine Meuterei in der Kriegsmarine, brach sie hier drei Tage früher aus als in der Reichshauptstadt. Während die Arbeiterschaft noch in zahlreichen Versammlungen über die Proklamation des Generalstreiks beriet, ergriff ein Trupp aufständischer Matrosen in der Nacht vom 5. zum 6. November die Initiative und brachte einige militärische Schlüsselpositionen in seine Gewalt. Nachdem im Lauf des Tages in kurzen Kämpfen, bei denen acht Soldaten und zwei Zivilisten den Tod fanden, die letzten regierungstreuen Einheiten ausgeschaltet worden waren, bildete sich mit Unterstützung der USPD-Führung ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat, der am Abend vom Senat die Zusicherung erhielt, dass er »sich in den Dienst dieser neuen Zeit stellen« wolle. Der Senat hatte damit den Übergang der Herrschaft auf den Arbeiterrat faktisch anerkannt.

Vier Monate lang, bis zur Wahl der Verfassunggebenden Bürgerschaft am 16. März 1919, bestimmte der Arbeiter- und Soldatenrat die Politik in Hamburg. Durch Wahlen hatte er sich am 8. November eine breitere Legitimation verschafft. Die Linkssozialisten hatten in dem Gremium die Mehrheit, waren aber doch zu Kompromissen mit der SPD und den Gewerkschaften gezwungen, die, wie sich bei verschiedenen Konflikten zeigte, noch immer weit größere Teile der Arbeiterschaft für ihre Ziele mobilisieren konnten als sie. Senat und Bürgerschaft wurden am 12. November 1918 für abgesetzt erklärt, sechs Tage später jedoch als kommunale Verwaltungsorgane wieder eingesetzt.

Weil sie einander brauchten, arbeiteten in Hamburg ein Rat mit einer linken Mehrheit und eine überwiegend konservative Vorkriegsregierung zusammen, in die nicht einmal Vertreter der SPD aufgenommen wurden. In einer Übergangszeit füllte der Arbeiter- und Soldatenrat das Machtvakuum aus, das durch den widerstandslosen Zusammenbruch des alten Regimes entstanden war. Zwar war er auf den Sachverstand der Beamten angewiesen, aber nur er besaß genügend Autorität, um Arbeiten zur Sicherstellung der Versorgung und Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Ordnung durchzusetzen. Von seinen 135 Verordnungen hatten vor allem die sozialpolitischen Bestand, z. B. die Bestimmungen über den Achtstundentag, die Beseitigung der Akkordarbeit oder den Kündigungsschutz bei zeitweiliger, durch Arbeits-, Material- oder Energiemangel bedingter Betriebseinschränkung. Sie wurden später von der Bürgerschaft bestätigt. Initiativen für eine grundlegende Veränderung der politischen und gesellschaftlichen Strukturen entwickelte der Rat dagegen nicht. Diese Aufgabe überließ er der Verfassunggebenden Bürgerschaft.

 Die ersten freien Wahlen

Bei der Wahl am 16. März 1919 gewann die SPD 50,5%, die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) 20,5% und die USPD 8% der Stimmen. Dies waren die ersten freien Wahlen und die ersten Wahlen, an denen Frauen teilnehmen konnten.  Trotz ihrer knappen absoluten Mehrheit entschied sich die SPD, die Regierung nicht allein oder mit der USPD zu bilden, sondern die Hälfte der Senatsposten Repräsentanten der DDP und des Vorkriegssenats zu überlassen. Durch diesen Entschluss zur Zusammenarbeit mit dem kooperationsbereiten Bürgertum legte die SPD den Grund für die ungewöhnliche politische Stabilität und Kontinuität, die Hamburg in der Weimarer Republik auszeichnete. Bis zur nationalsozialistischen »Gleichschaltung« des Senats im März 1933 trugen immer sozialdemokratische, liberale und gemäßigt konservative Politiker gemeinsam die Regierungsverantwortung, gestützt auf das feste Bündnis von SPD und DDP, das nach der Wahlniederlage dieser beiden Parteien 1925 um die Deutsche Volkspartei (DVP) erweitert wurde.

Ermöglicht wurde diese günstige Entwicklung durch die besondere Prägung der Hamburger Parteien: In der SPD dominierten die pragmatischen, reformorientierten Kräfte, die der Überzeugung waren, in einer Koalitionsregierung trotz notwendiger Kompromisse mehr für die Arbeitnehmer erreichen zu können als aus der Opposition heraus. Die DDP zeichnete sich durch eine sozial vielschichtig zusammengesetzte Mitgliederschaft aus, die es ihr ermöglichte, einen fortschrittlichen, von organisierten Wirtschaftsinteressen weitgehend unabhängigen Kurs zu verfolgen. Die DVP als Repräsentantin des Hamburger Großbürgertums ließ zwar an ihrer Abneigung gegen die Demokratie keinen Zweifel, war aber doch an

der Stabilität des bestehenden Staates und an Einfluss auf die Regierung zu sehr interessiert, um ihre Mitarbeit abzulehnen. Von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) mit ihrer überwiegend kleinbürgerlichen Mitglieder- und Anhängerschaft und ihrer radikal antirepublikanischen und antisemitischen Programmatik trennte sie eine soziale und ideologische Kluft.

Die Spaltung der Linken in Hamburg

Unter dem Aspekt des Ausbaus der sozialen Demokratie verhängnisvoll verlief dagegen die Entwicklung der USPD: Schon 1919 gewannen in ihr die Befürworter der »Diktatur des Proletariats« in Gestalt eines Rätesystems nach russischem Vorbild die Oberhand, so dass sie als Verbündete bei der Durchsetzung demokratisch-sozialistischer Lösungen nicht mehr in Frage kam. Bis auf einen kleinen Rest, der zwei Jahre später zur SPD zurückkehrte, ging die Hamburger USPD 1920 zur KPD über, die erst dadurch zu einer großen Partei wurde.

Soziale Not und Unzufriedenheit

Die 1919 neugewählte Bürgerschaft und der Senat standen vor einer Fülle akuter Probleme: Wegen der andauernden Seeblockade der Alliierten blieb die Lebensmittelversorgung prekär. Der Schwarzmarkt spielte eine immer größere Rolle. Kohlenmangel legte zeitweise Fabriken, öffentliche Verkehrsmittel und sogar die Fischereiflotte lahm; in Wohnungen und Büros herrschte bittere Kälte. 120 000 Soldaten mussten wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert, gleichzeitig viele Betriebe von Kriegs- auf Friedensproduktion umgestellt werden. Durch den Versailler Vertrag, etwa die Bestimmungen über den Verlust der Kolonien und die Auslieferung der Handelsflotte, wurde Hamburg schwer getroffen. Noch gravierender aber waren die indirekten Kriegsfolgen: die »Enteuropäisierung der Weltwirtschaft« durch die Entstehung neuer Zentren in den USA und im Femen Osten. Die beschleunigte Inflation erleichterte durch die Verbilligung der Kredite und inländischen Kosten zwar zunächst den Wiederaufbau der Betriebe und die Überwindung der Arbeitslosigkeit, sie führte aber auch zu schweren ökonomischen Verwerfungen, sozialen Umschichtungen und politischen Konflikten, und mit dem Beginn der Hyperinflation im Juli 1922 überwogen die Nachteile so sehr, dass Wirtschaft und Staat an den Rand des Zusammenbruchs gerieten.

Die Unzufriedenheit über die Nachkriegsentwicklung kam in dieser ersten Phase der Republik in häufigen politischen Unruhen und Umsturzversuchen zum Ausbruch. Im Juni 1919 entwickelte sich aus einem Lebensmittelskandal ein Aufruhr („Sülzeunruhen“), den der Senat schließlich nur noch mit Hilfe herbeigerufener Reichswehrtruppen meinte, unterdrücken zu können, die dann die Gelegenheit zur Abrechnung mit der linken Arbeiterschaft benutzten.

Putsch-Versuche und Aufstände 1920-1923

1920 beteiligten sich Teile der Polizei und der in Hamburg stationierten Truppen am Kapp-Putsch, konnten aber durch die geschlossene Abwehr der USPD, SPD, DDP und Gewerkschaften früher als im Reich zur Aufgabe gebracht werden. 1921 fand die »März-Aktion« der KPD auch in Hamburg Unterstützung. 1922 erschütterten Bombenanschläge und Mordpläne der rechtsradikalen „Organisation Consul“ die Stadt. Im Oktober 1923 versuchte die KPD, durch den »Hamburger Aufstand« – mehrtägige Barrikadenkämpfe gegen Polizei und Militär – den Anstoß zur Errichtung der proletarischen Diktatur in Deutschland zu geben; sie erlitt jedoch, da sich die Mehrheit der Arbeiterschaft einer solchen abenteuerlichen Politik verweigerte, einen schweren Rückschlag, von dem sie sich erst in den letzten Jahren der Weimarer Republik wieder erholte. Etwa gleichzeitig wurden Putsch-Pläne von Reichswehroffizieren in Hamburg aufgedeckt, und als Hitler am 9. November 1923 in München seinen Umsturzversuch inszenierte, bemühten sich Hamburger Sympathisanten, auch ihren Teil beizutragen.

Aufbruch in die demokratische Gesellschaft

Bei allen diesen aktuellen Belastungen blieb für weitreichende politische Entscheidungen wenig Raum. Zu nennen ist u. a. die Gründung der Universität und der Volkshochschule im Jahr 1919. Von langfristiger Bedeutung war insbesondere die Verabschiedung der demokratischen Verfassung am 9. Januar 1921, deren wesentliche Teile nach dem Ende des Dritten Reichs wieder in Kraft traten. Infolge der konsequenten Betonung der Grundprinzipien parlamentarischer Regierung bewährte sie sich besser als die Reichsverfassung. Weniger gut gelang dagegen die Absicherung des Staatsumbaus durch Veränderung der gesellschaftlichen Machtstrukturen. Beratungen über die Sozialisierung der Wirtschaft und die Demokratisierung der Verwaltung führten zu keinem Ergebnis. Teile der Arbeiterschaft wandten sich infolgedessen enttäuscht von der Demokratie ab, die ihnen nur als eine formale Ordnung erschien. Sie durch großzügige soziale Reformen für den neuen Staat zu gewinnen, konnte erst nach dem Ende der Inflation versucht werden.

Nach der Währungsstabilisierung im November 1923 erholte sich die Hamburger Wirtschaft verhältnismäßig rasch. Infolge der dominierenden Rolle des Überseehandels profitierte sie besonders von dem Konjunkturaufschwung, der nach der Regelung der Reparationsfrage im Dawes-Plan durch den Zustrom internationalen Anleihekapitals nach Deutschland ausgelöst wurde. Die verantwortlichen Politiker Hamburgs nutzten die entsprechend günstige Finanzentwicklung, um im Jahrfünft von 1924 bis 1929 auf vielen Gebieten Reformen zur Verbesserung der Lage der benachteiligten Bevölkerungsschichten einzuleiten. Das betraf die Arbeitsbedingungen und den Arbeitsschutz, Wohnungen und Freizeiteinrichtungen, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, die soziale Absicherung. Wie die Beruhigung der politischen Szene und das gute Abschneiden der Regierungsparteien, besonders der SPD, bei der Bürgerschaftswahl 1928 zeigten, fand diese eindeutige Reformpolitik bei den Schichten, denen sie primär zugute kam, zunehmend Anerkennung. Die Demokratie hatte durchaus eine Chance zur Konsolidierung.

Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und politische Radikalisierung

Der Einbruch der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 machte dieser günstigen Entwicklung ein jähes Ende. Hamburg wurde von ihr später als das übrige Deutschland, dann aber besonders nachhaltig getroffen: Die Beschäftigung der Betriebe ging zwischen 1928 und 1932 auf 60%, im Schiffbau auf 40% und im Baugewerbe sogar auf 20% zurück. Der Einzelhandel erlitt Umsatzverluste von 40% bis 60%. Die Zahl der Arbeitssuchenden wuchs in diesem Zeitraum von rund 50 000 auf knapp 165 000. Im Juni 1933 waren fast 40% der Arbeitnehmer erwerbslos. Trotz drastischer Einsparungen und rigoroser Steuererhöhungen reichten die rapide sinkenden Staatseinnahmen immer weniger, um die unaufhaltsam wachsenden Sozialausgaben zu decken. Für eine Fortsetzung der Reformpolitik war kein Geld mehr vorhanden. Im August 1931 drohte Hamburg der Staatsbankrott und konnte nur mit Hilfe des Reiches abgewendet werden.

Die meisten Menschen wünschten nichts sehnlicher, als einen Ausweg aus dem Elend zu sehen; die demokratischen Politiker aber glaubten, an dem krisenverschärfenden Kurs festhalten zu müssen. Den Nutzen hatten die extremen Parteien, die eine andere Gesellschaftsordnung oder einen völlig neuen Staat versprachen: die KPD, die ihren Stimmenanteil bei der Bürgerschaftswahl am 27. September 1931 von 17% auf 22% vergrößern konnte, und vor allem die NSDAP, die sich gegenüber 1928 von 2% auf 26% steigerte. Es gelang ihr, eine in sich vielschichtige Protestwählerschaft mit einem gewissen Übergewicht mittelständischer Kreise zu gewinnen. Durch ihren Aktionismus und ihre Bereitschaft zur gewaltsamen Auseinandersetzung beherrschten die beiden Parteien die Straße. Der Senat setzte die ihm zur Verfügung stehenden Abwehrmittel nicht nur gegen die KPD, sondern auch gegen die NSDAP energisch ein. Da er aber für die zentralen politischen Probleme keine Lösung wusste, blieb ihm der Erfolg letztlich versagt.

Bei der Bürgerschaftswahl im September 1931 verlor die regierende Große Koalition die absolute Mehrheit. Weil jedoch auch eine andere Mehrheitsbildung nicht möglich war und Neuwahlen im April 1932 daran nichts änderten, blieb der Senat geschäftsführend im Amt. Erst nach der Berufung der Regierung Hitler im Reich gelang es den Hamburger Nationalsozialisten, mit Hilfe der Berliner Machthaber die Ablösung des Senats zu erzwingen. Drei Tage nach der entscheidenden Reichstagswahl am 5. März 1933 wurde in Hamburg ein Rechtssenat gewählt, in dem die Nationalsozialisten die Mehrheit hatten und den Ersten Bürgermeister stellten.

 

Bildnachweise:

Abb. Slider: „Thälmann im Hamburger Aufstand [1923]“ gemalt von Willy Colberg 1954, Deutsches Historisches Museum Berlin/ A. Psille.