Die Hammaburg: Bollwerk und Missionsstandort

Silke Urbanski

Hammaburg im nat. Umfeld (AMH)

Hammaburg II im natürlichen Umfeld

Bistum oder Erzbistum?

Die Hammaburg lag ideal für Handel und Verkehr sowie für die Verteidigung auf einem Geestrücken, einer Erhöhung zwischen Alster und Elbe und einem Arm der Bille. Vor dem Geestrücken lagen in der Elbe flache Inseln, die als Weiden genutzt werden konnten.

Die erste Befestigung wurde im 8. Jahrhundert, also vor mehr als 1200 Jahren, von heidnischen Wenden oder Sachsen gebaut. Das Wort „ham“ oder „hamme“ stammt ebenfalls aus dem der altsächsischen Sprache jener Zeit und steht für „eine umzäunte Wiese in einer Niederung oder Bucht“, die Hammaburg wäre demnach wörtlich die Wiesen- oder Buchtburg. Vermutlich war diese frühe Burg nicht mehr als ein Herrenhof, der durch einen Graben und Palisaden geschützt wurde. Archäologisch ist nachweisbar, dass um 800 der Graben um den Herrenhof aufgefüllt wurde. Was zu diesem Ereignis führte, ist nicht geklärt. Vermutlich wollten die Bewohner die Burg als Schutz erweitern und bauten einen Wallring. So entstand die zweite Hammaburg.

Mission

Ab den dreißiger Jahren des neunten Jahrhunderts sollte von der Hammaburg aus die Christianisierung der nordelbischen Region und Skandinaviens stattfinden. Dafür setzte Kaiser Ludwig der Fromme den Mönch Ansgar aus dem Kloster Corvey als Missionsbischof ein. Er ließ die Wallringburg ausbauen. Bis heute ist es allerdings nicht endgültig geklärt, wo Ansgars Kirche lag: In der Hammaburg auf dem heutigen Domplatz oder unter der heutigen Petrikirche, wie neueste Forschungen annehmen. Zwei Jahre später griffen Wikinger Hamburg an, und der Bischof musste fliehen. Die Siedlung wurde zerstört. Der Ort drohte zu veröden.

Im Jahr 893 bestätigte Papst Formosus Hamburgs Erhebung zum Erzbistum. Es wurde nun Erzbistum von Hamburg und Bremen genannt. Die Hammaburg wurde erweitert und befestigt, der Hafen ausgebaut, so entstand die dritte Hammaburg. Ein Hochkonjunktur erfasste die Siedlung im 10. Jahrhundert. Viele Häuser entstanden, der Wallring wurde groß und mächtig aufgebaut.

Herrschaft und Schutz

Hamburg war durch seine Lage an der Grenze des Reiches im zehnten Jahrhundert und zu Anfang des elften Jahrhunderts immer noch in Gefahr. So erhob sich die slawische Bevölkerung immer wieder gegen die neuen Herren, die von der Burg aus herrschten. Die Hammaburg III wurde 1028 teilweise zerstört. Die Abwehrkämpfe der slawischen Bevölkerung in Nordelbien und im Gebiet des heutigen Mecklenburg erforderten neue Befestigungsmaßnahmen.

Die Macht über Hamburg teilten sich zu jener Zeit die Billunger Herzöge und die Erzbischöfe. Die Chronistik berichtet davon, dass von ihnen eine „stattliche Burg“ errichtet wurde, aber archäologische Befunde lassen vermuten, dass es um einen großen Wall im Osten des Geestsporns ging. Der gesamte Geestsporn, auf der die Siedlung mit Hafen, Kirche, Fischer-, Handwerker- und Händlerhäusern lag, wurde nun durch den sogenannten Heidenwall geschützt. Es war ein bogenförmiger Erdwall, dem mehrere tiefe Gräben vorgelagert waren. Der Heidenwall maß 300 Meter und schützte das Siedlungsgebiet. Im Zuge dieser großen Veränderung ließen Erzbischof Unwan und Herzog Bernhard II. die Hammaburg abtragen. Auf dem Geestsporn hinter dem Wall bauten Erzbischof und Herzog sich jeweils ein befestigtes Haus aus Stein.

Gerhard Theuerkauf gewidmet

 

Grundlegende Literatur:

Weiss, Rainer-Maria, Mythos Hammaburg – Fakten und Fiktionen zur Frühgeschichte Hamburgs, in: Weiss, Rainer-Maria; Klammt, Anne (Hg.): Mythos Hammaburg. Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs, Hamburg, 2014.

Theuerkauf, Gerhard: Zur kirchenpolitischen Lage des Erzbistums Hamburg-Bremen im 9. Jahrhundert, in: Hering, Rainer (Hg. et.al), Von der Christianisierung bis zur Vorreformation, Hamburgische Kirchengeschichte in Aufsätzen T.1, Hamburg 2003.

 

Bildnachweise:

Abb. Titelfeld / Thementext: Virtuelle Rekonstruktion Hammaburgs zur Zeit Ansgars (vor 845). Ansicht von Westen, aus: Mythos Hammaburg; Ausstellungskatalog Archäologisches Museum Hamburg 2014, Vorsatz vorn (Ausschnitt); wiedergegeben mit der freundlichen Erlaubnis von Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, amh.