(Erz-)Bischof Ansgar

801 - 865

Dominik Kloss

Ansgar – Mönch und Missionar, Bistumsgründer und Bischof

Ansgar als Erbistumsgründer Staabi II 0044

Noch im 18. Jahrhundert stellte man sich Ansgar so vor wie schon im Mittelalter

Bischof Ansgar gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten für die Geschichte Hamburgs im Frühen Mittelalter. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er hier im Jahr 834 die erste Kirche bauen ließ. Diese Kirche war zunächst zwar nur ein einfaches hölzernes Gebäude ohne Turm, verlieh aber Hamburg (oder Hammaburg, wie es wohl in dieser Zeit noch hieß) durch ihr Vorhandensein eine größere Bedeutung. Denn die noch sehr kleine, zu jener Zeit kaum zwei Jahrzehnte alte Siedlung an der Mündung der Alster in die Elbe wurde durch Ansgar und seine Bischofskirche offiziell zu einem Bistum, bekam also eine Stellung, die üblicherweise nur größeren Städten zustand. Daher erinnert man sich bis heute in Hamburg an Ansgar nicht nur als Kirchengründer, sondern auch als eine Art Stadtgründer.

Ganz ähnlich sieht man Ansgar auch in Dänemark und Schweden, wohin er als sogenannter Missionsbischof wiederholt gereist war und dort in einigen wichtigen Orten (etwa in Birka und in Ribe) für den Bau der ersten Kirchen und die Einrichtung von Bistümern verantwortlich gewesen ist. Weil er insgesamt viel zur Verbreitung des Christentums in diesen Ländern beigetragen hat, wird Ansgar zudem schon bald nach seinem Tod als Heiliger verehrt und ist heute auch unter dem Beinamen „Apostel des Nordens“ bekannt.

Inzwischen sind nach ihm Kirchen, Schulen und Straßen benannt worden und schon alleine in der Hamburger Innenstadt kann man mehrere Skulpturen und andere Abbildungen finden, die ihn darstellen sollen.

Wie Ansgar allerdings genau ausgesehen hat, ist heute nicht mehr wirklich bekannt: die älteste noch erhaltene Darstellung ist ein Gemälde aus dem späten Mittelalter, das erst rund 600 Jahre nach Ansgars Tod hergestellt worden ist, ursprünglich im Dom hing und heute in der Hauptkirche St. Petri zu sehen ist. (SIEHE HIGHLIGHT) Sowohl seine Tracht, als auch das Kirchenmodell, das Ansgar auf diesem Gemälde in den Händen trägt, wurden auch in späteren Zeiten immer wieder verwendet, um Ansgar als Bischof und Bistumsgründer zu zeigen. So erkennt man ihn zum Beispiel auch in Form einer Statue auf der Trostbrücke (in der Nähe des Rathauses) wieder, die dort im Jahr 1883 aufgestellt wurde – über 1000 Jahre nach dem Tod des echten Ansgar.

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Ansgar als Mönch auf der Brooksbrücke

An einer der Brücken, welche die Hamburger Altstadt mit der Speicherstadt verbinden, hat man im Jahr 2006 ebenfalls eine Statue von Ansgar aufgestellt. Hier, am südlichen Ende der Brooksbrücke (links neben der Statue von König Friedrich Barbarossa) steht Ansgar. Allerdings trägt er weder Kopfbedeckung noch Krummstab und hat auch nur ein einfaches Gewand – die Kutte eines Mönches – an. Statt dem Kirchenmodell hält er ein Buch – wohl eine Bibel – in der Hand.

Anders als auf den älteren Bildern kann man hier einen Hinweis auf das Leben als vergleichsweise einfacher aber gebildeter Geistlicher finden, dass Ansgar geführt hat, bevor er in Hamburg Bischof geworden ist.

Ansgar stammte ursprünglich aus der Landschaft Picardie, die heute im Norden von Frankreich liegt. Im Jahr 801, als Ansgar geboren wurde, war diese Region ein wichtiger Teil des Fränkischen Reiches unter König Karl dem Großen. Karl und seine Nachkommen, die sogenannten Karolinger, haben oft auf die Unterstützung von Klöstern zurückgegriffen, um das große Fränkische Reich besser verwalten zu können. Klöster waren in jener Zeit auch die einzige Möglichkeit, schon als Kind Schulunterricht zu erhalten und so war es für Ansgar vorteilhaft, dass er bereits als Fünfjähriger von seinem Vater nach Corbie, ein Kloster der Benediktiner-Mönche, geschickt wurde. Hier lebte er in den folgenden Jahren, wurde zum Priester ausgebildet und war bereits mit Anfang Zwanzig selbst Lehrer.

Im Jahr 823 leitete Ansgar dann die Klosterschule in Corvey (auch Neu-Corbie genannt), ein erst kurz zuvor neugegründetes Kloster am Fluss Weser, das heute in der Landschaft Ostwestfalen liegt. Von hier aus unternahm er dann im Auftrag von König Ludwig dem Frommen (der Sohn Karls des Großen) seine ersten Missionsreisen nach Dänemark und Schweden. Weil es in Norddeutschland und Skandinavien zu dieser Zeit noch kaum Straßen und wenige Städte gab, war das Reisen beschwerlich und deshalb dürften nur wenige Menschen aus dem Fränkischen Reich so weit in diesen Gegenden herumgekommen sein wie Ansgar.

Diese Erfahrungen Ansgars im Norden waren wohl ein wichtiger Grund für König Ludwig, ihn dann im Jahr 834 in Hamburg als Bischof einzusetzen. Aus Sicht des Fränkischen Reiches war Hamburg zwar nur ein kleiner Grenzort, lag aber günstig, um die Gebiete nördlich der Elbe (das sogenannte Nordalbingen) im besten Fall kontrollieren zu können oder Kontakte nach Skandinavien zu knüpfen. Weil aber bald darauf das fränkische Reich in mehrere Teile zerfiel und König Ludwigs Sohn, Ludwig II.,  nur noch einen Teil der Macht seines Vaters behielt, konnte er Ansgar in Hamburg kaum noch unterstützen.

Als dann im Jahr 845 dänische Wikinger Hamburg überfielen und plünderten, zudem die Burg und die Kirche zerstörten, musste Ansgar ins benachbarte, aber sichere Bremen fliehen. Auch hier wurde er wieder als Bischof eingesetzt und hat dann in den 850er Jahren wieder Missionsreisen nach Dänemark und Schweden unternommen. Im Jahr 865 ist Ansgar dann in Bremen gestorben.

Dass wir so viel über den ersten Hamburger Bischof wissen, verdanken wir Ansgars Nachfolger in Bremen, Bischof Rimbert. In der von jenem verfassten Lebensbeschreibung wird Ansgars Rolle bei der Kirchengründung in Hamburg allerdings sehr betont, an einigen Stellen sogar richtig falsch dargestellt: so soll Ansgar angeblich sogar Erzbischof (also ein Bischof, der über anderen Bischöfen in der Umgebung steht) in Hamburg gewesen sein. Damit wollte Rimbert eine besonders alte und enge Beziehung zwischen den Bistümern Hamburg und Bremen beweisen, die es aber vor der Flucht Ansgars in Folge des Wikingerüberfalls wohl gar nicht gegeben hat.

Dennoch ist die Beschreibung, die Rimbert von Ansgar als Erzbischof und vorbildhaften Heiligen hinterlassen hat, sehr einflussreich geblieben und hat vielleicht dazu beigetragen, dass man später diese Aspekte immer wieder gerne sehr betont hat.

Wohl deshalb hat man auch – wie auf dem Gemälde in St. Petri oder bei der Statue auf der Trostbrücke – Ansgar meist in Bischofstracht und als Schutzpatron der Kirche zeigen wollen und weniger – wie bei der Statue an der Brooksbrücke – als einfachen Mönch.

 

Bildnachweise:

Abb. Titelfeld: Ansgar-Statue auf der Trostbrücke, Foto Dominik Kloss.

Abb. Zeitgenossentext: Der heilige Anscharius (J. C. Patenti/J. C. G. Fritzsch), Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://digitalisate.sub.uni-hamburg.de/nc/detail.html?tx_dlf%5Bid%5D=3817&tx_dlf%5Bpage%5D=1&tx_dlf%5Bpointer%5D=0 (CC BY-SA 4.0). / Ansgar-Statue auf der Brooksbrücke, Foto Dominik Kloss.