Händler und Kriegsprofiteure

Die Drehscheibe des Nordens. Hamburg als wirtschaftlicher Profiteur des Dreißigjährigen Krieges

PD Dr. Martin Knauer

Hamburg gehörte zu den Profiteuren des Dreißigjährigen Krieges. Während viele Städte mehrfach ausgeplündert wurden, ihren Besitzer wechselten, teilweise – oder wie im Falle Magdeburgs – komplett zerstört wurden, ging die Elbmetropole wirtschaftlich kaum geschwächt aus dem Krieg hervor. Zu verdanken hatte sie die positive Bilanz nicht nur dem kaum einnehmbaren Befestigungswerk, das der niederländische Festungsbauingenieur Johan van Valckenburgh 1625 gerade rechtzeitig fertig gestellt hatte. (ABB) Mindestens so bedeutsam war, dass Hamburg als Verteilerstation für Kriegswaren aller Art gebraucht wurde. Die exponierte Lage an Alster und Elbe, die etablierten Handelswege zu den Ostseeanrainern, vor allem aber der zunehmende Warenaustausch über den Atlantik ließen die Stadt im 17. Jahrhundert zur wirtschaftlichen Drehscheibe werden. Große Bedeutung an dieser Entwicklung hatten auch Glaubensflüchtlinge, spanische und portugiesische Juden, aber auch Niederländer, von deren Netzwerken die städtische Wirtschaft profitierte. Alle Parteien, deutsche wie ausländische Mächte (Dänemark, Schweden und Frankreich), nutzten Hamburg als Handels-, Nachrichten- und Finanzplatz.

Wie andere große Handelsstädte und in besonderer Konkurrenz zu Amsterdam, profitierte Hamburg insbesondere vom Austausch mit Kriegsgütern wie Kupfer, Eisen, Schwefel und Salpeter. Vor allem Spanien hatte eine beständige Nachfrage nach Rüstungswaren. Da Amsterdam durch den niederländischen Unabhängigkeitskrieg als Lieferant zeitweise ausfiel, entwickelte sich Hamburg in Folge zum wichtigsten Ausrüster des iberischen Kriegsapparats.

Dass die Stadt ihren Aufstieg im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges fortsetzen konnte, hatte vor allem aber Gründe im überregionalen Handel. Ende des 16. Jahrhunderts waren die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse in Europa in Bewegung geraten. Der Schwerpunkt des Handels verlagerte sich vom Mittelmeerraum nach Nordwesteuropa. Hamburgs Vorteile lagen auch in der günstigen geographischen Lage. Mit der 1558 eröffneten Börse, der Hamburger Bank von 1619 und der 1603 eingeführten „Wechselordnung“ (Wertpapiere mit festgelegter Zahlungsanweisung) bot die Hansestadt zudem eine vergleichsweise moderne finanzielle Infrastruktur. Viele Abgesandten der kriegführenden und neutralen Mächte nahmen an der Elbe ihren ständigen Sitz. Vor allem für Schweden besaß Hamburg eine große Bedeutung als Kommunikationszentrum. Seit 1613 unterhielt Stockholm einen eigenen Korrespondenten. Um 1620 entstand eine feste Postlinie zwischen Hamburg und Südschweden.

Dennoch hatte Hamburgs Wirtschaft auch unter negativen Kriegsfolgen zu leiden. 1628 führte die Blockade Danzigs zu Getreidemangel, hinzu kamen Getreideausfuhrverbote für Pommern und Mecklenburg. Gleichzeitig fielen Holstein und Schleswig als Lieferanten aus, da die Felder verwüstet waren. Das sich verschlechternde Verhältnis zu Dänemark barg weitere Gefahren. Da Hamburg mit Hinweis auf seine Neutralität 1625 Kontributionszahlungen an König Christian IV. einstellte, aber sowohl am Spanienhandel wie an der Belieferung der kaiserlichen Truppen festhalten wollte, versuchten dänische Kriegsschiffe mit englischer und niederländischer Unterstützung den Handel mit Kriegsgütern an Spanien zu verhindern. Als gefährlich erwies sich dabei die Lage des dänischen Glückstadt, von wo aus Hamburg eine Abschließung der Elbe drohte. Mehrfach gerieten Hamburger und dänische Schiffe in Konflikte auf dem Fluss. Erst in der Folgezeit kam es zu einer Lockerung der Blockaden.

„Der Krieg ernährt den Krieg“. Friedrich Schillers geflügeltes Wort aus der Wallenstein-Trilogie gilt in gewisser Weise auch für Hamburg. Der alte Hanseplatz war zu gut befestigt, als dass ein Eroberungsversuch gelohnt hätte. Als (nicht allseitige anerkannte) Reichstadt hatte Hamburg mit dem Kaiser sowie dem dänischen König, der ebenfalls die Oberherrschaft beanspruchte, zu mächtige Verbündete. Als Handelsmacht und Drehscheibe im Warenverkehr war Hamburg letztlich für alle Kriegsparteien zu wichtig, um es der Zerstörung preiszugeben. Im Unterschied zu vielen unglücklicheren Städten und Territorien konnte sich Hamburg somit den Luxus der Neutralität leisten und gleichzeitig vom Krieg profitieren.

 

Literatur:

Sven Schukys: Die Einwirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf den Fernhandel Hamburgs, in: Martin Knauer/Sven Tode (Hg.): Der Krieg vor den Toren. Hamburg im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 (Beiträge zur Geschichte Hamburgs, 60), Hamburg 2000, S. 213-241.

Julia Zunckel: Rüstungsgeschäfte im Dreißigjährigen Krieg. Unternehmerkräfte, Militärgüter und Marktstrategien im Handel zwischen Genua, Amsterdam und Hamburg, Berlin 1997.

Hans-Dieter Loose: Hamburg und Christian IV. von Dänemark während de Dreißigjährigen Krieges. Ein Beitrag zur Geschichte der hamburgischen Reichsunmittelbarkeit (Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, 18), Hamburg 1963.

Jorun Poettering: Handel, Nation und Religion. Kaufleute zwischen Hamburg und Portugal im 17. Jahrhundert, Göttingen 2013.

 

Bildnachweise:

Abb. Titelfeld: Hamburger Konvoischiffe um 1670, Kupferstich, Staatsarchiv Hamburg, StAHH 720-1_253-07.