Bildung und Waisenfürsorge

Birgit Steinke

Hamburg genoss auch während des Dreißigjährigen Krieges eine wirtschaftliche Blütezeit, so dass viele Flüchtlinge in der Stadt Schutz suchten. Die Bevölkerungszahl stieg daher rapide an. Nach der Gründung des St. Michaelis-Kirchspiels 1618 wurde Hamburg bald zu einer der größten Städte Deutschlands. Mit dem Wachsen der Stadt entwickelte sich auch Hamburgs Schulwesen weiter. Die vorhandenen Kirchen- und Winkelschulen konnten die große Zahl der Kinder nicht aufnehmen, und so engagierten sich verschiedene Hamburger Bürger für das Hamburger Schulwesen.

Neben den bereits vorhandenen vier Kirchspielschulen, wurde im Jahre 1625 im St. Michaelis-Kirchspiel eine Kirchenschule eröffnet. Ihr Schwerpunkt lag auf einer Kombination zwischen Latein- und Deutscher Schule. Neben Latein, Katechismus, Schreiben, Lesen wurde auch Rechnen angeboten. Darüber hinaus wurden im St. Michaelis-Kirchspiel 1683 die Passmannsche Armenschule und 1690 die Rumbaumsche Schule eröffnet. Diese Eröffnungen gingen auf die Initiative von Hieronymus Passmann (1641-1716) und der Witwe Helene Rumbaum zurück.

Waisenkinder wurden gegen Ende des 16. Jahrhunderts vor allem in Privathaushalten versorgt . Dies stellte insbesonders in den Jahren 1596/97 während einer Pestwelle ein großes Problem dar. 1605 kam die Pest zurück und kostete in 15 Monaten 6.000 Einwohnern das Leben. Die Lebensmittelpreise stiegen zudem rapide an. So wurde die  baufällige St. Anschar-Kapelle zum Waisenhaus umgebaut . Im Dezember 1604 wurden dort die ersten Kinder aufgenommen. Die Begründer der Anstalt  waren Gilles de Greve, der Vorsteher der Niederländischen Armen-Casse, und Simon Petkum, Kämmereibürger, also Finanzveranwortlicher der Stadt. Im Waisenhaus wurden schulpflichtige und nichtschulpflichtige Kinde aufgenommen. Die Schule des Waisenhauses bot einen vielfältigen Stundenplan an. Neben Katechismus (Bibelkunde), wurden Gesangsübungen angeboten. Es gab auch eine Lateinische Klasse. Die Mädchen wurden in Handarbeit unterrichtet. Begabte Schüler wurden von hier aus auf das Johanneum geschickt.

Im St. Nikolai-Kirchspiel wurde auf die Initiative von Hieronymus Knakerügge (†1611) im Jahre 1613 die Knakerüggesche Armenschule errichtet. Hier wurde zusätzlich zum  Katechismus,  zu Lesen und Schreiben auch das Rechnen angeboten. Die Mädchen bekamen Nähunterricht.

Im 1656 fertiggestellten Werk- und Zuchthaus wurde ebenfalls eine Schule errichtet. Die Kinder hier wurden in Katechismus unterrichtet.

Das Johanneum verzeichnete weiterhin eine große Schülerzahl. Doch weil in der Zwischenzeit in Bremen, Verden und Stade Gelehrtenschulen gegründet worden waren, die eine Übergangsstufe zwischen den Lateinschulen und der Universität darstellten, fürchteten die Hamburger diese Konkurrenz.

Daraufhin beschlossen der Hamburger Rat und die Bürgerschaft am 7. November 1611 die Einrichtung eines Akademischen Gymnasiums, welches dann am 12. August 1613 eingeweiht wurde. Das Akademische Gymnasium galt als modernes wissenschaftliches Lehrinstitut, das den Absolventen des Johanneums eine konfessionelle Alternative zu den heterodox ausgerichteten Bildungseinrichtungen in Bremen und Stade bieten sollte. Darüber hinaus fungierte das Akademische Gymnasium als Artistische Fakultät, als Durchgangsstufe für das Universitätsstudium der Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. Wenn es auch ursprünglich nicht vorgesehen war, entwickelte das Akademische Gymnasium unter Mitwirkung bedeutender Gelehrter das Niveau einer Philosophischen und Theologischen Fakultät. Darüber hinaus bot das Akademische Gymnasium im Lektorium öffentliche Vorlesungen an, die großen Zulauf erfuhren.

 

Bildnachweise:

Abb. Titelfeld: Hamburger Konvoischiffe um 1670, Kupferstich, Staatsarchiv Hamburg, StAHH 720-1_253-07.